Poe goes Jazz Nr. 1
- Das Fass Amontillado -
(Graceland Studios)

Captain Blitz urteilt:

Ein Fass Amontillado...will da jemand seinen Konkurrenten ausstechen oder existiert es wirklich? Ein gefährliches Spiel beginnt und Fortunato (Ali Sommer) geht es ein, ohne zu wissen was mit ihm am Ende passieren wird. Wird er doch in den Genuss des Fasses kommen oder ein frühes Ende finden? Lohnt sich dieses Risiko überhaupt? Fortunato wird es erfahren...

- Meinung -

Konrad Halver nimmt sich Edgar Allan Poe vor, aber ein wenig anders, als es sich der Hörer wohl gedacht hat. Natürlich bleibt er der Vorlage treu und es geht auch spannend und gerissen zu, doch die Änderungen gegenüber anderen Vertonungen finden sich eher auf der technischen Seite wieder. Was die Story betrifft, so ist diese ein aufregendes, interessantes und auch spannendes "Spielchen", wenn auch leider sehr kurz und auf Grusel muss man hier verzichten. Poe ist halt nicht nur Grusel!

Konrad Halver und Ali Sommer sind ein gutes Gespann, überzeugend bringen sie ihre Rollen rüber, Halver wirkt spielerisch und ausgeschlafen, Sommer eher überheblich und somit spielen beide die Rollen absolut treffend. Durch die sehr gute Darbietung weiss der Hörer sofort, was er von den Charakteren zu halten hat, kein großes Vorgeplänkel, keine lange Einleitung, es geht sofort zur Sache. Da es sich auch nur um zwei Figuren handelt müssen beide Sprecher umso überzeugender wirken, doch beide halten dem Druck stand.

Musikalisch gibt der Titel der Reihe schon die Marschrichtung vor...Jazz. Passt das überhaupt zu Poe? Eigentlich nicht, aber genau das ist ja der Sinn der Sache, es soll nicht immer in die selbe Richtung gehen, es soll innovativ sein. Man muss zugeben, Poe wird irgendwie schon etwas verfälscht, denn die ganze Angelegenheit wirkt nun krimihafter. Ist das schlecht? Definitiv nicht, es ist ein neuer Ansatz, der Poes Stories neues Leben einhaucht, also ein gelungenes Experiment darstellt. Ein Stück wiederholt sich ziemlich oft, das gibt der Untermalung einen großen Wiedererkennungswert, aber ein paar Stücke mehr hätten es dann schon sein dürfen, ansonsten kann man nur lobenswert von der Untermalung sprechen, was auch für die Effekte und Geräusche gilt.

Das Design ist schlicht gehalten, um nicht zu sagen billig. Dafür muss man aber auch eingestehen, dass es sich hier wohl eher um eine Art Demo handelt, als dass es der Auftakt zu einer professionell vertrieben Reihe ist. Es dürften auch mehr Tracks sein, selbst wenn das Hörspiel nur knapp über 20 Minuten läuft.

Fans der Produktionen Konrad Halvers können nur hoffen, dass er für diese innovative Reihe bald einen professionellen Vertrieb oder ein großes Label finden wird, welches sich Poe goes Jazz annimmt. Wenn es dann noch möglich ist pro Folge eine Spielzeit von ca. einer Stunde zu reservieren, dann würde einem erfolgreichen Auftakt nichts mehr im Wege stehen. Poe mal anders, aber gut, so lautet das Fazit. Weniger Grusel, dafür mehr Krimi, aber unterm Strich ein gutes Stück Hörspielunterhaltung!

Der Link:
Graceland Studios

Der Produzent:
Konrad Halver

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